NR-Wahl

Auf­marsch der Kärnt­ner Kan­di­da­ten

„Politik ist die Kunst des Möglichen!“, das Bismarck-Zitat wird gerne bei hitzigen Diskussionen verwendet. Trotzdem muss der interessierte Beobachter über unmöglich erscheinende Entscheidungen staunen, so etwa bei der Nationalratskandidaten-Liste der Kärntner Parteien.

Auf­marsch der Kärnt­ner Kan­di­da­tenDie Kärntner Parteien schicken eine bunte Mischung aus erfahrenen und neuen Kandidaten ins Rennen, um bei der bevorstehenden Wahl zu punkten.

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Die „Blau­en“ schi­cken zwei ehe­ma­li­ge Par­tei-Chefs ins Ren­nen, die „Schwar­zen“ zwei Oldies, die kaum als Zukunfts­chan­ce für die (Noch)Kanzler-Partei gese­hen wer­den kön­nen. Die „Roten“ set­zen auf einen jun­gen Rou­ti­nier, der im Par­la­ment bereits eine wich­ti­ge Rol­le spielt. Die Grü­nen bau­en auf ihre Lan­des­spre­che­rin, ein Gemein­de­rat soll für die Neos punk­ten.

Grund­sätz­lich spricht nichts gegen ein fort­ge­schrit­te­nes Alter samt Berufs­er­fah­rung, ohne dass man gleich auf US-Prä­si­dent Joe Biden und sei­ne „Aus­rut­scher“ ver­wei­sen muss. Es gab Volks­ver­tre­ter mit Cha­ris­ma, die etli­che Jahr­zehn­te auf dem Buckel hat­ten. So galt der Kärnt­ner VP-Spit­zen­kan­di­dat Gabri­el Ober­nos­ter­er – er fei­ert im nächs­ten Jahr den 70er — lan­ge Zeit als per­so­nel­le Berei­che­rung des Natio­nal­ra­tes: Unge­zü­gel­tes Tem­pe­ra­ment, Lesach­ta­ler Dia­lekt und direk­te Ansa­gen. Mitt­ler­wei­le wirkt der Hote­lier, Tuff­bad-Pio­nier, Ex-Wie­ner-Wald-Mana­ger und Ex-Natur­ro­del­bahn­fah­rer etwas abge­kämpft und „poli­tisch ver­braucht“. War­um klebt er aber am Natio­nal­rats­ses­sel? Muss der Lesach­ta­ler sei­ne Bio­gra­fie „Mein Weg“ mit sat­ten 256 Sei­ten doch umschrei­ben? Und die Kärnt­ner Zweit­ge­reih­te Eli­sa­beth Scheu­cher, die ein Jahr älter ist als Ober­nos­ter­er? Zwei­fel­los eine char­man­te Per­sön­lich­keit mit sozia­ler Ader, die sich für das Hilfs­werk, Frau­en und Senio­ren enga­giert. Doch die Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te hat bereits 2004 als VP-Spit­zen­kan­di­da­tin im Land­tags­wahl­kampf eine her­be Nie­der­la­ge ein­ste­cken müs­sen. Insi­der stel­len sich die Fra­ge: War­um tut sich die Unter­neh­me­rin das noch an? Die wei­te­ren VP-Kan­di­da­ten: Johann Weber, San­dra Lass­nig und Peter Wei­din­ger. Der Abge­ord­ne­te Wei­din­ger sorg­te 2021 für Auf­se­hen, als ihm Pla­gi­ats­ver­su­che in sei­ner Diplom­ar­beit vor­ge­wor­fen wor­den sind. Die­se hat­ten sich jedoch nicht bestä­tigt. Bei der Kärnt­ner FP soll der abser­vier­te Par­tei­chef, Ex-Lan­des­rat, FP-Kla­gen­furt-Obmann und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Ger­not Darm­ann dafür belohnt wer­den, dass er letzt­lich Erwin Ange­rer Platz gemacht hat. Wei­ters auf der „blau­en“ NR-Lis­te: Der Gast­wirt, Ex-BZÖ-Poli­ti­ker und NR Maxi­mi­li­an Lin­der und Gemein­de­rä­tin Tina Ber­ger. Eben­falls „vor­ne“ zu fin­den: Der Wolfs­ber­ger Rechts­an­walt und NR Chris­ti­an Rag­ger. Der ehe­ma­li­ge geschäfts­füh­ren­de Par­tei­ob­mann der FPK und Ex-Lan­des­rat soll eini­ge Zeit für die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft gear­bei­tet haben, als die­se noch mehr­heit­lich Franz Peter Orasch gehör­te. Und die Kärnt­ner „Roten“? Die zie­hen mit dem Ex-Kla­gen­furt-Obmann NR Phil­ip Kucher an der Spit­ze in die „Wahl­kampf-Schlacht“. Der geschäfts­füh­ren­de Klub­vor­sit­zen­de der Bun­des-SP fiel in den letz­ten Mona­ten bei Natio­nal­rats­sit­zun­gen in der Polit-Are­na und in Medi­en durch bemer­kens­wer­te Wort­mel­dun­gen zu sozia­len, finan­zi­el­len und Gesund­heits­the­men auf, kri­ti­sier­te die Regie­rung wegen der „vor­herr­schen­den Teue­rung“ und gilt mitt­ler­wei­le – trotz Gewichts­ab­nah­me — schon als „rotes Schwer­ge­wicht“. So orte­te Kucher bei der Zusam­men­le­gung der Gebiets­kran­ken­kas­sen „den bit­ters­ten Schmäh aller Zei­ten“. Denn statt der groß ange­kün­dig­ten eige­spar­ten Pati­en­ten-Mil­li­ar­de (laut der dama­li­gen VP/FP-Koali­ti­on) errech­ne­te der Rech­nungs­hof Mehr­kos­ten von über 200 Mil­lio­nen Euro. Die damals zustän­di­ge FP-Gesund­heits­mi­nis­te­rin Bea­te Har­tin­ger-Klein gestand vor einem U‑Ausschuss: „Das war ja nur ein Mar­ke­ting-Gag!“ Da bleibt einem die Spu­cke weg! Die wei­te­ren „roten“ Spit­zen auf der Kärnt­ner Lis­te: Natio­nal­rä­tin Petra Ober­rau­ner, Cle­mens Mit­ter­eg­ger, Danie­la Lerch­bau­mer und Kers­tin Dohr.

 

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“KLiCK”-Kärnten Kolum­nist Harald Raf­fer macht Geschich­ten zum The­ma.
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Das „Team Kärn­ten“ beschränkt sich, wie der Name schon sagt, auf unser Bun­des­land, dabei hat TK-Chef, Ex-Lan­des­rat, Ex-Stro­nach‑, Ex-SP-Poli­ti­ker, Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, Energe­ti­ker, Ex-Gen­darm und Bür­ger­meis­ter Ger­hard Köfer bereits „Wie­ner Luft“ geschnup­pert. Als Natio­nal­rat von 2006 bis 2013. Und die Spit­zen­kan­di­da­ten der Klein-Par­tei­en Grü­ne und Neos? Nun, die Grü­nen, die sich der­zeit im Bund nach dem Gewess­ler-Rena­tu­rie­rungs­ge­setz ‑Aus­ritt mit dem Koali­ti­ons­part­ner VP im „Krieg“ befin­den, schi­cken ihre nicht immer glück­lich agie­ren­de Kärnt­ner Lan­des­spre­che­rin und Vize­klub­ob­frau NR Olga Vog­lau­er ins Ren­nen. Eben­falls dabei: Gemein­de­rä­tin Karin Her­kner, Dora Gmei­ner-Jahn und Micha­el Hirz­bau­er. Und die Neos, für die Kärn­ten ein eher beschei­de­nes Polit-Kapi­tel schreibt? Schafft ein Kärnt­ner Kan­di­dat am 29. Sep­tem­ber den Ein­zug ins Hohe Haus? Kaum. Die „pin­ke“ Lis­te wird vom Kla­gen­fur­ter Gemein­de­rat und Lan­des­spre­cher Janos Juvan ange­führt. Er war nicht immer unum­strit­ten, vor allem nach dem schlech­ten Abschnei­den der Neos bei der Land­tags­wahl. Wei­te­re „pin­ke“ Kan­di­da­ten: Iris Sophie Glanz­er und Chris­ti­na Hol­mes.

Wie die EU-Wahl gezeigt hat, kämp­fen drei etwa gleich star­ke Par­tei­en um die Stim­men der Öster­rei­cher und Öster­rei­che­rin­nen, dazu gesel­len sich noch eini­ge Klein­par­tei­en. Schließ­lich ent­schei­det der (Nicht)Wähler. Der Wahl­tag gilt beim Urnen­ge­her als Zahl­tag. Und die Mei­nungs­for­scher haben sich zuletzt bei ihren Vor­her­sa­gen gewal­tig geirrt. Eine Natio­nal­rats­wahl unter­liegt meist „ande­ren Geset­zen“, als ein Urnen­gang für die EU, für ein Bun­des­land oder eine Kom­mu­ne. Und schnell kann der Traum vom Kanz­ler für den einen oder ande­ren Kan­di­da­ten plat­zen und sich in Luft auf­lö­sen. Man wird sehen. Spä­tes­tens am 29. Sep­tem­ber.

 

05.07.2024 15:01
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Auf­marsch der Kärnt­ner Kan­di­da­tenDie Kärntner Parteien schicken eine bunte Mischung aus erfahrenen und neuen Kandidaten ins Rennen, um bei der bevorstehenden Wahl zu punkten.

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