Politischer Wochenrückblick
Während Bauern auf Hilfe warten, Mediziner kündigen und die Parteien längst für 2027 warmlaufen, zeigt Kärntens Politik auch diese Woche bemerkenswerte Talente: Probleme verwalten, Verantwortung weiterschieben und sich selbst dabei ziemlich überzeugend finden.
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KÄRNTEN. Es war wieder eine jener politischen Wochen, in denen man sich fragt, ob irgendwo im Land heimlich ein Wettbewerb läuft: Wer schafft es, aus einem lösbaren Problem möglichst viele Pressekonferenzen zu machen? Die Konkurrenz ist jedenfalls stark.
Dürre trifft Koalition
Beginnen wir dort, wo derzeit tatsächlich Trockenheit herrscht – in der Landwirtschaft. Die extreme Dürre setzt Betrieben massiv zu, ein Hilfspaket des Bundes lässt aber weiter auf sich warten. ÖVP, SPÖ und NEOS diskutieren darüber, wie die Hilfe finanziert werden soll. SPÖ und NEOS pochen auf Gegenfinanzierung, die ÖVP auf zusätzliche Unterstützung. Am 20. August wurden die Verhandlungen erneut ohne Ergebnis vertagt.
Das politische Kunststück dabei: Während auf den Feldern kaum noch etwas wächst, gedeiht der Koalitionsstreit prächtig.
Auch Kärntens ÖVP macht Druck und fordert Solidarität mit den Bauern. Die Botschaft ist verständlich. Ein kleiner Schönheitsfehler bleibt: In Wien sitzt die ÖVP selbst in jener Regierung, die sich gerade nicht einigen kann.
Vielleicht wäre der nächste Ansatz also weniger „Wer ist schuld?“ und mehr „Wer unterschreibt jetzt?“.
Radiologie mit Nebenwirkungen
Noch ernster ist die Situation am Klinikum Klagenfurt. Das gesamte vierköpfige Ärzteteam der Interventionellen Radiologie hat gekündigt. Gesundheitslandesrätin Beate Prettner setzte auf einen Runden Tisch, die KABEG verwies auf erfüllte Forderungen und laufende Gespräche. Die FPÖ wiederum verlangt inzwischen eine Sondersitzung des KABEG-Aufsichtsrates und bezweifelt, dass die präsentierten Lösungen dauerhaft funktionieren.
Damit erreicht Kärntens Gesundheitspolitik eine bemerkenswerte neue Stufe: Man diskutiert nicht mehr nur darüber, wo Ärzte fehlen – jetzt kündigen gleich ganze Teams.
Natürlich tragen Personalmangel und Fachkräftesituation weit über Kärnten hinaus zum Problem bei. Trotzdem darf die Frage erlaubt sein, wie eine derart zentrale Einheit so weit kommen konnte.
Denn bei Schlaganfällen, Gefäßerkrankungen und Tumorbehandlungen funktioniert die politische Standardtherapie „Arbeitsgruppe, Gespräch, Evaluierung“ nur bedingt.
Opposition im Dauerfeuer
Die FPÖ wiederum hat ihre Rolle gefunden: Wo irgendwo Rauch aufsteigt, steht bereits jemand mit einer Presseaussendung daneben.
Radiologie, Einbürgerungen, Flughafen, Landesvermögen – die Freiheitlichen feuern praktisch täglich Kritik Richtung SPÖ und ÖVP. Beim U‑Ausschuss zu früheren Verkäufen von Landesvermögen wurden bereits Beweismittel angefordert; erste Befragungen sollen im Oktober stattfinden.
Kontrolle ist Aufgabe der Opposition und gerade bei öffentlichem Vermögen notwendig. Nur gilt auch hier: Wer jeden Montag den politischen Weltuntergang ausruft, muss aufpassen, dass am Freitag noch jemand zuhört.
Köfer in Bestform
Und dann wäre da noch Gerhard Köfer. Der Team-Kärnten-Chef eröffnete diese Woche die ORF-Sommergespräche und erklärte, er mache derzeit – befreit von Zwängen – wohl die „beste Politik meines Lebens“. Man muss dieses Selbstvertrauen respektieren. Andere warten auf Wahlergebnisse. Köfer erledigt die Leistungsbeurteilung praktischerweise gleich selbst.
Das spart Zeit und vermutlich auch unangenehme Rückfragen.
Wahlkampf beginnt
Und während die einen noch den politischen Sommer genießen, beginnt in Klagenfurt bereits der Wahlkampf für Februar 2027. Die KPÖ präsentierte mit Bea Samwald ihre Spitzenkandidatin und möchte erstmals in den Gemeinderat einziehen. Schwerpunkt: leistbares Wohnen. Das Wahlkampfbudget soll 20.000 Euro betragen. Damit dürfte endgültig klar sein: Die Sommerpause ist abgesagt. In den kommenden Monaten werden wir wieder erfahren, wer „den Menschen zuhört“, wer „endlich Lösungen“ fordert und wer „Klagenfurt neu denken“ möchte.
Wochenfazit
So endet eine Woche, in der Österreichs Bauern auf Regen und Geld warten, Kärntens Gesundheitspolitik einen medizinischen Großbaustellenbericht produziert, die Opposition bereits den nächsten Skandalzettel in den Drucker legt und der kommunale Wahlkampf langsam seine Motoren startet.
Die gute Nachricht: Kärntens Politik funktioniert.
Die schlechte: Manchmal hat man den Eindruck, hauptsächlich als Kommunikationsagentur für sich selbst. Und nächste Woche? Dann kommen weitere Sommergespräche. Es besteht also Hoffnung auf neue Lösungen. Oder zumindest auf neue Aussendungen.


