Im Interview

Klaus Köchl: „Ein Bür­ger­meis­ter darf nicht her­umei­ern“

Nach 24 Jahren als Bürgermeister von Liebenfels bereitet sich Klaus Köchl auf seinen Abschied vor. Doch der überraschende Bruch mit seinem langjährigen Weggefährten Werner Ruhdorfer überschattet die politische Übergabe. Im persönlichen Interview spricht Köchl über enttäuschtes Vertrauen, die Zukunft der SPÖ, schwierige Entscheidungen und darüber, warum er künftig einfach nur noch „der Klausi“ sein möchte.

Klaus Köchl: „Ein Bür­ger­meis­ter darf nicht her­umei­ern“ Nach 24 Jahren als Bürgermeister von Liebenfels blickt Klaus Köchl auf seine politische Laufbahn zurück und spricht offen über persönliche Enttäuschungen, den Bruch mit seinem langjährigen Weggefährten und seine Pläne für die Zukunft.

© Bürgermeister Klaus Köchl

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24 Jah­re an der Spit­ze einer Gemein­de hin­ter­las­sen Spu­ren. Klaus Köchl hat Lie­ben­fels über mehr als zwei Jahr­zehn­te geprägt, poli­ti­sche Kon­flik­te aus­ge­tra­gen und Pro­jek­te umge­setzt. Nun steht ein Gene­ra­ti­ons­wech­sel bevor. Doch aus­ge­rech­net in der Schluss­pha­se sei­ner Amts­zeit kommt es zum poli­ti­schen Bruch mit sei­nem lang­jäh­ri­gen Vize­bür­ger­meis­ter Wer­ner Ruh­dor­fer, der die SPÖ ver­las­sen hat und mit einer eige­nen Lis­te antre­ten will.

Im Inter­view zeigt sich Köchl per­sön­lich ent­täuscht, ver­tei­digt sei­ne Ent­schei­dun­gen und fin­det auch deut­li­che Wor­te für den Zustand der Sozi­al­de­mo­kra­tie. Zugleich blickt er mit Stolz auf sei­ne poli­ti­sche Lauf­bahn zurück. Und er ver­rät, was ihm nach dem Abschied vom Bür­ger­meis­ter­amt wirk­lich wich­tig ist.

„Ich dach­te zunächst, das sind Fake News“

KLiCK Kärn­ten: Herr Köchl, nach vie­len gemein­sa­men Jah­ren ver­lässt Ihr Vize­bür­ger­meis­ter Wer­ner Ruh­dor­fer die SPÖ und grün­det eine eige­ne Lis­te. Was war Ihr ers­ter Gedan­ke, als Sie davon erfah­ren haben?

Mein ers­ter Gedan­ke war: Das sind Fake News, das kann doch nicht stim­men. Das habe ich auch jenen gesagt, die mich dar­auf ange­spro­chen haben. Ich konn­te es zunächst ein­fach nicht glau­ben.

KLiCK: Sie sol­len von sei­nem Par­tei­aus­tritt erst durch die Medi­en erfah­ren haben. Hat Sie das per­sön­lich getrof­fen?

Ich war sehr erstaunt. Wir haben 18 Jah­re lang wirk­lich gut zusam­men­ge­ar­bei­tet. Umso über­ra­schen­der war für mich die­se Ent­schei­dung. Er hat sei­nen Schritt ja auch inner­halb der Par­tei nicht bekannt gege­ben.

KLiCK: Ruh­dor­fer begrün­det sei­nen Schritt unter ande­rem mit einem Ver­trau­ens­ver­lust und unter­schied­li­chen Vor­stel­lun­gen über poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Kön­nen Sie sei­ne Kri­tik nach­voll­zie­hen?

Nein, das kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Wir haben über die­se The­men stun­den­lang gespro­chen. Und man darf eines nicht ver­ges­sen: Von den 28 Beschlüs­sen, die wir im Gemein­de­rat und Gemein­de­vor­stand gefasst haben, hat er allen 28 zuge­stimmt.

KLiCK: Beson­ders beim neu­en Bil­dungs- und Kul­tur­zen­trum kri­ti­siert Ruh­dor­fer, dass wesent­li­che Ent­schei­dun­gen in einem klei­nen Kreis getrof­fen wor­den sei­en.

Da muss ich ganz klar sagen: Er war selbst Teil die­ses klei­nen Krei­ses!

KLiCK: Haben Sie seit sei­nem Par­tei­aus­tritt per­sön­lich mit ihm gespro­chen? Kann aus einer lang­jäh­ri­gen poli­ti­schen Zusam­men­ar­beit wie­der eine Freund­schaft wer­den?

Nein, ich habe seit­her nicht mit ihm gespro­chen. Ich wer­de ihm aber wei­ter­hin ganz nor­mal als Freund begeg­nen. Wie es per­sön­lich in mir aus­sieht, möch­te ich nicht kom­men­tie­ren. Was mich aller­dings ent­täuscht, ist, dass er offen­sicht­lich kein Gewis­sen hat.

„Der stän­di­ge Streit in der SPÖ muss end­lich auf­hö­ren“

KLiCK: Ist der Bruch in Lie­ben­fels für Sie ein Ein­zel­fall oder Aus­druck eines grund­sätz­li­chen Pro­blems inner­halb der SPÖ?

Das muss man aus­ein­an­der­hal­ten. Lie­ben­fels ist für mich eine Ein­heit. Wer­ner Ruh­dor­fer möch­te offen­bar künf­tig für sich allei­ne ste­hen. Das muss man akzep­tie­ren.

Was die Bun­des­po­li­tik betrifft, habe ich heu­te kei­ne poli­ti­schen Funk­tio­nen mehr. Trotz­dem hof­fe ich, dass es Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bau­er gelingt, die Par­tei wie­der stär­ker dort­hin zu brin­gen, wo ihre eigent­li­chen Auf­ga­ben lie­gen: zu den Sor­gen und Anlie­gen der arbei­ten­den Men­schen.

Der ein­ge­schla­ge­ne Weg des stän­di­gen Strei­tens muss end­lich vor­bei sein. Auch mit Pame­la Ren­di-Wag­ner ist aus mei­ner Sicht nicht kor­rekt umge­gan­gen wor­den. Das hat gezeigt, dass die­ser Weg nicht der rich­ti­ge ist.

KLiCK: Mit Mar­tin Weiß steht Ihr poli­ti­scher Nach­fol­ger bereits fest. Was macht ihn zum rich­ti­gen Kan­di­da­ten für Lie­ben­fels?

Mar­tin Weiß ist ein erfah­re­ner Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit gro­ßer wirt­schaft­li­cher Kom­pe­tenz. Er hat Hand­schlag­qua­li­tät, ein sozia­les Gewis­sen und ist offen für die Anlie­gen der Men­schen. Beson­ders zeich­nen ihn sei­ne Volks­nä­he und sei­ne Ehr­lich­keit aus. Er wur­de mit hun­dert­pro­zen­ti­ger Zustim­mung als Kan­di­dat nomi­niert. Ich bin über­zeugt, dass er der Rich­ti­ge für Lie­ben­fels ist.

KLiCK: Wer­den Sie sich im Bür­ger­meis­ter­wahl­kampf 2027 noch aktiv ein­brin­gen?

Ich wer­de mei­ner Par­tei ger­ne mit Rat zur Ver­fü­gung ste­hen, sofern das gewünscht ist. Ich bin über­zeugt von Mar­tin Weiß und sei­ner Eig­nung für die­se Auf­ga­be.

„Für das Fern­heiz­werk muss­te ich sogar unter Poli­zei­schutz“

KLiCK: Herr Köchl, 24 Jah­re Bür­ger­meis­ter. Was hat Sie ursprüng­lich dazu bewegt, in die Poli­tik zu gehen?

Mich hat die­ser poli­ti­sche Virus schon mit 16 Jah­ren gepackt. Mir war es immer wich­tig, für die Men­schen da zu sein. Beson­ders für jene, die sich selbst nicht mehr hel­fen kön­nen.

Ich war immer davon über­zeugt, dass sich eine Gemein­de nur gemein­sam mit den Men­schen posi­tiv ent­wi­ckeln kann.

KLiCK: Was bleibt nach bei­na­he einem Vier­tel­jahr­hun­dert an der Spit­ze von Lie­ben­fels?

Wir haben Arbeits­plät­ze geschaf­fen, Kin­der­be­treu­ungs­plät­ze aus­ge­baut und Sozi­al­woh­nun­gen ermög­licht. Auch für die Land­wirt­schaft im länd­li­chen Raum haben wir sehr viel getan. Der Tou­ris­mus hat sich gut ent­wi­ckelt, und unser Gebüh­ren­haus­halt ist in Ord­nung.

Ich bin stolz dar­auf, eine wirt­schaft­lich gut daste­hen­de Gemein­de über­ge­ben zu kön­nen. In all die­sen Jah­ren habe ich mit ins­ge­samt 88 Gemein­de­rä­ten zusam­men­ge­ar­bei­tet. Dafür bin ich dank­bar.

KLiCK: Wel­ches Pro­jekt erfüllt Sie heu­te mit dem größ­ten Stolz?

Natür­lich unser Bil­dungs­zen­trum. Das ist ein ganz wesent­li­ches Pro­jekt für die Zukunft unse­rer Gemein­de.

KLiCK: Es gab aber auch Ent­schei­dun­gen, die mas­si­ve Wider­stän­de aus­ge­löst haben.

Ja, beson­ders unser Fern­heiz­werk. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen waren damals enorm. Ich muss­te sogar unter Poli­zei­schutz zu einer Ver­hand­lung gehen. Es gab unglaub­li­che Anfein­dun­gen.

Heu­te wis­sen wir, dass wir damit die Luft­qua­li­tät und die Lebens­qua­li­tät ver­bes­sert haben. Vie­le Men­schen haben im Nach­hin­ein erkannt, dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung war.

KLiCK: Gab es ange­sichts sol­cher Anfein­dun­gen einen Moment, in dem Sie ans Auf­hö­ren gedacht haben?

Nein, eigent­lich nie. Gera­de gro­ße Her­aus­for­de­run­gen haben mich beson­ders ange­spornt, Lösun­gen zu fin­den.

KLiCK: Sie waren neben Ihrer Tätig­keit als Bür­ger­meis­ter auch Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter. Was haben Sie aus der Bun­des­po­li­tik mit­ge­nom­men?

Dass Poli­tik bei Wei­tem nicht so ein­fach ist, wie sich das vie­le Bür­ger vor­stel­len. Es gibt unter­schied­lichs­te Inter­es­sen, die berück­sich­tigt wer­den müs­sen. Tut man das nicht, wird es schwie­rig, poli­ti­sche Beschlüs­se auch tat­säch­lich umzu­set­zen.

„Wenn ich mit Freun­den unter­wegs bin, bin ich der Klau­si“

KLiCK: Sie haben einen Groß­teil Ihres Lebens der Poli­tik gewid­met. Wer ist Klaus Köchl, wenn er ein­mal nicht Bür­ger­meis­ter ist?

Ich bin ein Fami­li­en­mensch. Ich lie­be mei­ne Frei­heit, bin ger­ne mit Freun­den zusam­men und genie­ße es, eine schö­ne Zeit zu ver­brin­gen. Und ich hel­fe ger­ne ande­ren Men­schen. Wenn ich pri­vat unter­wegs bin, bin ich nicht der Bür­ger­meis­ter, son­dern ein­fach der Klau­si.

KLiCK: Was ist Ihnen heu­te wich­ti­ger als noch vor 20 oder 30 Jah­ren?

Ganz klar die Gesund­heit. Und die Gelas­sen­heit, mit der man an Din­ge her­an­geht. Ich möch­te auch künf­tig durch mei­ne Gemein­de gehen kön­nen und die Men­schen sol­len sagen: Das war der Klaus, unser Bür­ger­meis­ter.

Sie haben ange­kün­digt, künf­tig mehr Golf spie­len zu wol­len. Gibt es bereits kon­kre­te Zie­le?

(Lacht.) Ja, ich hät­te ger­ne Han­di­cap 25. Außer­dem möch­te ich mehr Rad fah­ren und vor allem eine schö­ne Zeit mit mei­ner Fami­lie und mei­nen Freun­den ver­brin­gen.

„Der Klau­si Köchl, der war schon in Ord­nung“

KLiCK: Nach 24 Jah­ren wird es auch dar­um gehen, Ver­ant­wor­tung abzu­ge­ben. Wie schwer fällt Ihnen der Gedan­ke, künf­tig nicht mehr selbst ent­schei­den zu kön­nen?

Wenn mein Rat gefragt ist, wer­de ich mich ger­ne ein­brin­gen. Wenn nicht, wer­de ich mich zurück­hal­ten. Das muss man akzep­tie­ren kön­nen.

KLiCK: Wenn die Men­schen in Lie­ben­fels in zehn Jah­ren über Sie spre­chen, was sol­len sie dann sagen?

Ganz ein­fach: „Der Klau­si Köchl, der war schon in Ord­nung.“

KLiCK: Und was wür­den Sie dem jun­gen Klaus Köchl, der vor 24 Jah­ren erst­mals Bür­ger­meis­ter wur­de, heu­te mit auf den Weg geben?

Hin­hö­ren, zuhö­ren und die Ideen der Men­schen auf­neh­men. Aber auch eige­ne Ideen ent­wi­ckeln und die­se kon­se­quent umset­zen.

Ein Bür­ger­meis­ter darf nicht her­umei­ern. Ent­schei­dun­gen müs­sen getrof­fen wer­den, auch wenn sie nicht allen gefal­len. Gleich­zei­tig muss man für alles offen blei­ben.

Ich habe mich dabei nie­mals von wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen trei­ben las­sen. Das war mir immer wich­tig.

Vie­len Dank für das Inter­view.

07.11.2026 07:45
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Klaus Köchl: „Ein Bür­ger­meis­ter darf nicht her­umei­ern“ Nach 24 Jahren als Bürgermeister von Liebenfels blickt Klaus Köchl auf seine politische Laufbahn zurück und spricht offen über persönliche Enttäuschungen, den Bruch mit seinem langjährigen Weggefährten und seine Pläne für die Zukunft.

© Bürgermeister Klaus Köchl