Ermenhild Santer
„Frauen sind doppelt und dreifach belastet“
Die gebürtige Klagenfurterin Ermenhild Santer ist neue Landesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz in Kärnten. Zum Amtsantritt bringt sie auf den Punkt, was Frauen im Bau- und Produktionsbereich dringend benötigen.
© GBH Kärnten
An der Spitze der Gewerkschaft Bau-Holz in Kärnten kam es zu einer Veränderung: Die gebürtige Klagenfurterin Ermenhild Santer wurde zur neuen Landesfrauenvorsitzenden ernannt. In dieser Funktion setzt sich die zweifache Mutter unter anderem gegen Gewalt am Arbeitsplatz und für einen Mindestlohn in Höhe von 1.700 Euro ein. „Frauen, die im Bau- und Produktionsbereich arbeiten, leisten Schwerarbeit und haben sich die Gleichstellung verdient“, begründet Santer.
Frauen verrichten Schwerarbeit
Österreich gehört, so Santer, unverändert zu jenen europäischen Ländern mit dem höchsten Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern: „Angesichts der enormen Teuerungsrate in den vergangenen Monaten ist Armut trotz Erwerbstätigkeit für viele Frauen in unserem Land Realität geworden.“ Sie kritisiert, dass Frauen wegen betreuungsbedingter Teilzeit häufig aus der Schwerarbeitsregelung fallen. „Obwohl sie Schwerarbeit verrichten“, stellt Santer klar.
Die Forderungen im Überblick
Sie ist selbst als Produktionsmitarbeiterin tätig. „Staub, Lärm und Stress gehören für Frauen, die im Bau- und im Produktionsbereich arbeiten, zum Alltag. Kinderbetreuung und die Betreuung von Angehörigen wird üblicherweise auch von ihnen übernommen und führt so zu einer Doppel- und Dreifachbelastung“, berichtet Santer. Die Gewerkschafterin fordert einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für jedes Kind und einen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit. Auch die Anhebung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1.700 Euro ist eine langjährige Forderung der Gewerkschaft. „Das gehört dringend umgesetzt. Nur so können Frauen vor Abhängigkeit und Armut geschützt werden“, versichert Santer.
Respektvolles Miteinander
Besonders am Herzen liegt der Hobby-Jägerin ein aktives Auftreten gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz. „Gewalt, in welcher Form auch immer, ist nie eine Lösung, sondern ein großes Problem. Die Frauen in der Gewerkschaft Bau-Holz stehen für ein respektvolles Miteinander und verlangen ein Arbeitsumfeld, in dem für Gewalt und Belästigung kein Platz ist. Dafür zu sorgen, sollte gerade in den männerdominierten Bereichen eine der wichtigsten Aufgaben jeder Führungskraft sein“, betont die neue Landesfrauenvorsitzende.

