Anna-Maria Schuster

„Ich möch­te etwas für die Com­mu­ni­ty errei­chen“

Anna-Maria Schuster (30) ist Landesvorsitzende der „SoHo Kärnten“. Im Gespräch mit „KLiCK Kärnten“ anlässlich des „Pride-Month“ erzählt sie von ihrem Engagement für die „LGBTQ+“-Community in Kärnten.

„Ich möch­te etwas für die Com­mu­ni­ty errei­chen“ Anna-Maria Schuster ist seit dem Jahr 2019 Landesvorsitzende der „SoHo Kärnten“.

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„Pri­de“ bedeu­tet stolz zu sein – auf sei­ne sexu­el­le Ori­en­tie­rung, auf sei­ne Iden­ti­tät und auf sei­nen Lebens­ent­wurf. Einen Monat lang sind auf Häu­ser­fas­sa­den Regen­bo­gen-Fah­nen, bun­te Zebra­strei­fen und Para­den in den Lan­des­haupt­städ­ten zu sehen. Im Juni wird in den sozia­len Netz­wer­ken und im Rah­men von Ver­an­stal­tun­gen auf die immer noch bestehen­den Unge­rech­tig­kei­ten der „LGBTQ+“-Community auf­merk­sam gemacht. Wäh­rend sich „LGBTQ+“ aus den eng­li­schen Begrif­fen für „les­bisch“, „schwul“, „bise­xu­ell“, „trans“ und „que­er“ zusam­men­setzt, bezieht sich das Plus auf alle ande­ren Geschlechts­iden­ti­tä­ten. Die „LGBTQ+“- Com­mu­ni­ty schließt somit alle nicht-hete­ro­se­xu­el­len Men­schen ein. Mit der „SoHo Kärn­ten“ (sozi­al­de­mo­kra­ti­sche „LGBTQ“) und Anna-Maria Schus­ter als ihre Vor­sit­zen­de hat die Com­mu­ni­ty in Kärn­ten Unter­stüt­zung. „Solan­ge es Dis­kri­mi­nie­run­gen gibt und Wör­ter wie ‚schwul‘ als Schimpf­wör­ter benutzt wer­den, braucht es den Pri­de-Monat“, ist sie über­zeugt.

Sozia­le Ader

Mit der Grün­dung der „SoHo Kärn­ten“ über­nahm Schus­ter im Jahr 2019 den Lan­des­vor­sitz. „Ich bin in Kla­gen­furt auf­ge­wach­sen und habe die Koope­ra­ti­ve Mit­tel­schu­le St. Ursu­la besucht, danach die drei­jäh­ri­ge Fach­hoch­schu­le für sozia­le Beru­fe“, erzählt die 30-Jäh­ri­ge, die in einem The­ra­pie­zen­trum in Spit­tal an der Drau arbei­tet. Ein Inter­es­se für Poli­tik ver­spür­te sie schon immer. „Seit 2018 bin ich par­tei­po­li­tisch aktiv. Ich wur­de aber nicht ange­wor­ben, son­dern es war eine bewuss­te Ent­schei­dung, nach­dem ich mir ver­schie­de­ne Grup­pie­run­gen ange­se­hen habe“, sagt Schus­ter rück­bli­ckend. Auf mensch­li­cher Ebe­ne und in Bezug auf die Wer­te kann sie sich mit der SPÖ gut iden­ti­fi­zie­ren.

Ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment

Vie­le Per­so­nen glau­ben, dass die 30-Jäh­ri­ge für ihr Enga­ge­ment, das in ihrem Leben einen gro­ßen Stel­len­wert hat, Geld bekommt. „Ich mache das alles ehren­amt­lich, ich bekom­me dafür kein Geld“, erklärt Schus­ter, die in der Ver­gan­gen­heit für ihr Enga­ge­ment schon des Öfte­ren belä­chelt wur­de. Als Vor­sit­zen­de der „SoHo Kärn­ten“ kommt sie nicht nur in Öster­reich, son­dern auch in ganz Euro­pa mit vie­len Men­schen der Com­mu­ni­ty in Kon­takt. „2021 war ich bei der Pri­de-Para­de in Buda­pest dabei, wo es eine Gegen­de­mons­tra­ti­on gab. Erst vor kur­zem war ich als Ver­tre­tung von Öster­reich in Maas­tricht bei der ‚Rain­bow Rose Gene­ral Assem­bly‘. Dabei ist span­nend zu sehen, was ande­re Län­der für die Com­mu­ni­ty machen“, berich­tet Schus­ter, die auch seit mehr als zwei Jah­ren stell­ver­tre­ten­de Obfrau des Ver­eins „Que­er Kla­gen­furt“ ist.

Kein Platz für Scham und Angst

Für Schus­ter ist der Juni ein Fest­mo­nat, in dem es um Sicht­bar­keit und die Tat­sa­che geht, dass wir alle gleich sind. „Dabei spielt es kei­ne Rol­le, wer wen liebt. Dar­auf will ich mit mei­nem Enga­ge­ment auf­merk­sam machen“, erklärt Schus­ter, für die es dar­auf ankommt, viel­mehr Ener­gie für die Nicht-Geoute­ten auf­zu­brin­gen, anstatt sich mit Kri­ti­kern aus­ein­an­der­zu­set­zen. „Man muss sich nicht schä­men, wen man liebt. Wir sind eine gro­ße Fami­lie und wir müs­sen für­ein­an­der da sein. Ich möch­te etwas für die Com­mu­ni­ty errei­chen“, begrün­det sie ihr Enga­ge­ment, das auch in den nächs­ten Jah­ren im Fokus ste­hen wird. Den­noch schafft sich Schus­ter regel­mä­ßig poli­tik­freie Zei­ten und ver­bringt viel Zeit mit Freun­den oder betä­tigt sich gemein­sam mit ihrer Freun­din sport­lich in einem Tae­kwon­do-Ver­ein.

Situa­ti­on der Kärnt­ner Com­mu­ni­ty

Im Gespräch mit „KLiCK Kärn­ten“ schil­dert Schus­ter auch die Situa­ti­on der Kärnt­ner Com­mu­ni­ty. „Den Pri­de-Monat erle­be ich in Kärn­ten durch­aus posi­tiv. Wir haben erst­mals wie­der eine Regen­bo­gen-Fah­ne vor dem Kla­gen­fur­ter Rat­haus, Regen­bo­gen-Bän­ke sind heu­er nicht beschmiert wor­den wie letz­tes Jahr, die Lan­des­re­gie­rung wird mit bun­ten Far­ben beleuch­tet und auch hier gibt es eine Regen­bo­gen-Fah­ne“, resü­miert sie die Situa­ti­on. Trotz­dem ver­schärf­te sich das Ver­hal­ten gegen­über der Com­mu­ni­ty seit Coro­na aus ihrer Sicht.

Als Lan­des­vor­sit­zen­de bekommt sie vie­le Anlie­gen über­mit­telt und ver­sucht die For­de­run­gen der Com­mu­ni­ty auf Bun­des­ebe­ne für die Arbeit auf Lan­des- und Gemein­de­ebe­ne anzu­pas­sen. „Ich ver­su­che Men­schen in Kärn­ten für Ver­an­stal­tun­gen zu mobi­li­sie­ren, Initia­ti­ven zu orga­ni­sie­ren, um der Com­mu­ni­ty und den Nicht-Geoute­ten das Gefühl zu geben, dass sie wirk­lich wahr­ge­nom­men wer­den“, erzählt Schus­ter.

Hoch­zeit im Som­mer

Nach ihrem per­sön­li­ches Outing im Jahr 2014 wand­ten sich vie­le ihrer Freun­de schlei­chend von ihr ab, obwohl ihr das Outing ohne­hin nicht leicht­fiel. „Das war eigent­lich das Schlimms­te, man hat sich nicht mehr gehört“, ver­rät sie. Wie nahm es ihre Fami­lie auf? „Mei­ne Fami­lie hat auch eine Zeit­lang gebraucht, aber sie steht voll­kom­men hin­ter mir. Sie unter­stützt mich sehr“, ver­si­chert Schus­ter, die sich schon auf den gro­ßen, gemein­sa­men Tag mit ihrer Freun­din freut, mit der sie zusam­men in Kla­gen­furt wohnt. „Im Som­mer wer­den mei­ne Freun­din und ich hei­ra­ten“, sagt Schus­ter glück­lich.

26.06.2022 19:20 - Update am: 27.06.2022 08:09
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„Ich möch­te etwas für die Com­mu­ni­ty errei­chen“ Anna-Maria Schuster ist seit dem Jahr 2019 Landesvorsitzende der „SoHo Kärnten“.

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